FAQs zur Elektromobilität

eMobilität

23.01.2017 Einmischen für sichere Arbeit.

Diesel-Skandal und E-Mobilität sind die aktuellen Herausforderungen der Autoindustrie. Viele Beschäftigte sorgen sich um ihre Zukunft. Im Dezember stellten wir Vorschläge der IG Metall für die Autoindustrie vor. Viele Mitglieder stellten Fragen. Hier sind die Antworten auf die häufigsten Anmerkungen.

Die IG Metall hat im Dezember 2016 einen Plan vorgelegt, wie die Automobilbranche die Herausforderungen als Chance nutzen und Arbeitsplätze sichern kann. Hier beantworten wir die häufigsten Fragen, die uns daraufhin erreichten:

Warum mischt sich die IG Metall in die Klima- und Verkehrspolitik ein?
Die Entwicklung in der Autoindustrie wird immer mehr durch politische Vorgaben aus Berlin und Brüssel bestimmt - mit Folgen für die Arbeitsplätze. Schärfere Grenzwerte für Abgase haben Auswirkungen auf Antriebstechnologien. Elektrobatterien bestehen aus weniger Teilen als Benzinmotoren. Um sie herzustellen, werden also auch weniger Beschäftigte gebraucht. Mehr als jeder vierte Arbeitnehmer in der Autoindustrie und bei den Zulieferern ist in der Fertigung von Motoren und Getrieben tätig: 250 000 von rund 880 000. Damit sie in dem Veränderungsprozess langfristig Arbeitsperspektiven behalten, sieht die IG Metall es als ihre Pflicht, sich einzumischen und ihre Kontakte in die Politik zu nutzen, um ihre Positionen und eigene Konzepte einzubringen.

Elektro, Erdgas, Brennstoffzelle - was ist die beste Antriebstechnik?
Die IG Metall spricht sich nicht für bestimmte Antriebsarten aus. Denn im Moment weist keine den Königsweg. Darum sollte keine Technologie gegen die anderen ausgespielt werden. Erdgas stößt 25 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2) aus als Benzin, aber da es auch nicht klimaneutral ist, sollte es nur als Übergangstechnologie genutzt werden. An der Brennstoffzelle wird in den Forschungsabteilungen der Autoindustrie geforscht, aber Elektroautos mit Brennstoffzelle, etwa aus Wasserstoff, haben einen viel höheren Primärenergieverbrauch als Autos mit Verbrennungsmotor. Die größten Zukunftschancen gibt die Industrie dem Elektroauto.

Politiker haben gefordert, Verbrennungsmotoren ab 2030 zu verbieten. Was hält die IG Metall davon?
Das wäre der falsche Weg. Durch Verbote bekommen wir den klimafreundlichen Umstieg nicht hin, sondern gefährden nur Arbeitsplätze. Wegen der noch bestehenden Schwächen beim Elektroantrieb - wie hoher Preis, fehlende Ladestationen und Stromnetze, geringe Reichweite - wird ein Großteil der Pkws, die in den nächsten 15 Jahren neu zugelassen werden, wahrscheinlich Verbrennungsmotoren haben.

Lassen sich dann die CO2-Emissionen überhaupt verringern?
Die IG Metall hält es für machbar und spricht sich dafür aus, durch technische Verbesserungenam Verbrennungsmotor denCO2-Ausstoß pro Jahrum 1,5 Prozent zusenken.Paralleldazu soll der Anteil der Autosmit alternativem Antrieb kontinuierlich steigen.

Ist das Elektroauto wirklich klimafreundlich?
Beim heutigen Strommix in Deutschland schneidet ein E-Auto nicht besser ab als herkömmliche Fahrzeuge. Zwar sind die CO2-Emissionen bei der Produktion um 60 Prozent höher (und der Abbau der benötigten seltenen Erden setzt giftige Stoffe frei), aber im Verkehr gleicht sich das aus: Wenn der Stromzu 50 Prozent aus erneuerbarer Energie kommt, laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg ab 100 000 Kilometern und bei 100 Prozent Grünstrom etwa ab 30 000 Kilometern. Das setzt aber voraus, dass der Anteil der erneuerbaren Energie am Strommix drastisch erhöhtwird. In der Herstellung sind auch weitere technische Verbesserungen notwendig.

Reicht der Strom eigentlich für Elektroautos?
Wenn eine Million vollelektrische Autos auf Deutschlands Straßen rollen, steigt der Stromverbrauch umetwa 0,3 Prozent. Da bis dahin noch einige Jahre vergehen, ist Zeit genug, umdie erneuerbare Energie und Stromnetze auszubauen. Steigt der grüne Strombis 2020 wie geplant um über 100 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr, könnten damit nach Berechnungen des Energieversorgers E.ON 50 Millionen E-Autos versorgt werden.

Wie lange wird der Umbau der Autoindustrie dauern?
Wahrscheinlich mehr als 15 Jahre. Nach aktuellen Prognosen wird 2030 etwa die Hälfte aller neu zugelassenen Pkw einen reinen Elektroantrieb haben. Gibt es in der Batterietechnik und bei der Ladeinfrastruktur in den nächsten Jahren große technologische Sprünge, könnte das die Entwicklung beschleunigen.

Letzte Änderung: 24.01.2017