IG Metall sagt Ungleichheit den Kampf an

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21.10.2018 IG Metall Baden-Württemberg sagt Ungleichheit in den Betrieben den Kampf an - Gerechtigkeitskonferenz in Stuttgart - Pressemitteilung 57/2018

Stuttgart. Leiharbeit, Befristungen, Verlagerungen - damit werden Betriebsräte täglich konfrontiert. Unter dem Titel "Gerechtigkeitskonferenz" beschäftigt sich die IG Metall Baden-Württemberg zwei Tage lang mit Strategien gegen Ungerechtigkeiten in den Betrieben - und stößt mit rund 200 Teilnehmern auf breites Interesse.

Beschäftigte in nicht tarifgebundenen Unternehmen arbeiten häufig zu schlechteren Bedingungen als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Betrieben mit Tarifvertrag: Sie verdienen bis zu einem Drittel weniger, müssen dafür bis zu vier Stunden länger arbeiten und haben weniger Urlaub. Allein in der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten sind vier von zehn Beschäftigten in Betrieben ohne Tarifbindung.

Christiane Benner, die zweite Vorsitzende der IG Metall, erklärte in ihrer Eröffnungsrede in Stuttgart: "Tarifverträge und Mitbestimmungsrechte sind ein wichtiger Beitrag für mehr Gerechtigkeit. Wer sie Beschäftigten verwehrt, betrügt sie um ihren fairen Anteil am wirtschaftlichen Fortschritt."

"Auf der Konferenz zeigen wir, dass es sich lohnt, für Tarifverträge und Gerechtigkeit einzustehen und sich gegen Ungerechtigkeiten in den Betrieben zu wehren", sagt Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg.

Neben Beispielen von erfolgreichem Widerstand gegen schlechte Arbeitsbedingungen werden auf der Konferenz Erfahrungen und Strategien zum Umgang mit unfairer Bezahlung, Leiharbeit, Befristungen oder anderen Ungerechtigkeiten vorgestellt. Betriebsräte und Vertrauensleute lernen Arbeitsmethoden von Gewerkschaftern aus anderen Branchen und Ländern kennen und bereiten in Workshops betriebliche Aktionen für die nächsten Monate vor.

C: IG Metall

Laut dem Politikwissenschaftler Frank Deppe erfahren gewerkschaftliches Handeln und die Forderung nach Recht und Gerechtigkeit derzeit neue Aufmerksamkeit: Weltweite Krisenherde, die 4. Industrielle Revolution, ein Auseinanderdriften von Arm und Reich und ein Vertrauensverlust in die Politik - solche Umbrüche "verletzen Bedürfnisse nach Gerechtigkeit und Anerkennung und rufen bei Beschäftigten Bereitschaft zum Widerstand hervor. Die Gründung von Betriebsräten und der Abschluss von Tarifverträgen werden als Gegenmacht zum Kapital entsprechend wichtiger."

Dass sich in Sachen Tarifbindung etwas bewegt und Beschäftigte aktiv werden, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern, dafür spricht die positive Mitgliederentwicklung seit der Tarifrunde 2018. Zitzelsberger: "Aktuell sind wir in Baden-Württemberg sehr gut unterwegs, unsere neuen Wahlrechte für Beschäftigte bei der Arbeitszeit treffen den Nerv der Zeit. Diesen Schwung wird der Bezirk ab 2019 mit einer Kampagne zur Tarifbindung weiter unterstützen."

Ziel der IG Metall Baden-Württemberg ist es, bis Ende nächsten Jahres 30.000 Beschäftigte mehr in Tarifbindung zu bringen, bis 2025 sollen es insgesamt 100.000 Beschäftigte mehr sein.

Letzte Änderung: 23.10.2018