130 Jahre Beschäftigte im Mittelpunkt
In einer Serie zum 130-jährigen Jubiläum des Lkw stellen wir die Situation der Beschäftigten in den Mittelpunkt. Schon von Beginn an ging es um Arbeitnehmerrechte, Entlohnung, Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen, Konjunkturzyklen und Umbrüche. Dabei spielten Arbeitnehmervertretung und Gewerkschaften eine wichtige Rolle.
Von Daimler und Benz zu Daimler Truck
Als Gottlieb Daimler und Carl Benz Ende des 19. Jahrhunderts unabhängig voneinander an
motorisierten Fahrzeugen arbeiteten, war noch nicht abzusehen, dass sich daraus eine
Nutzfahrzeugtradition und sogar ein eigenständiges Unternehmen Daimler Truck entwickeln
würden. "Ob beim Daimler in Stuttgart, beim Benz in Mannheim oder bei den Benz-Werken in
Gaggenau, bei Mercedes in Wörth, Kassel und Berlin - seit 130 Jahren gestalten unsere Kolleginnen und Kollegen die Mobilität mit und tragen maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei. Dies wird auch in Zukunft so sein.
Darauf können und sollen sie stolz sein", sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht. Schon sein Vater hat "beim Benz" in Gaggenau in der Unimog-Entwicklung gearbeitet und er selbst ist bereits seit mehr als 45 Jahren im
Unternehmen.
Arbeit in den Anfangsjahren: Schwer, laut, gefährlich
Am Anfang standen kleine Werkstätten und eine Fertigung, die man heute eher als Manufaktur
bezeichnen würde. Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten motorisierten Nutzfahrzeuge
entstanden - frühe Liefer- und Lastwagen sowie Busse - war Arbeit häufig schwer, laut und
gefährlich. Viele Abläufe waren nicht standardisiert, Werkzeuge und Maschinen begrenzt und der
Takt wurde von Handarbeit und Erfahrung bestimmt. Für die Beschäftigten bedeutete das:
Improvisation, Können und vor allem körperliche Belastung. Mit dem Wachstum der Unternehmen
und der Fusion von Daimler und Benz zur Daimler-Benz AG (1926) veränderte sich die Arbeitswelt
grundlegend. Aus der handwerklichen Fertigung wurde Fließbandarbeit. Nach dem Zweiten
Weltkrieg nahm die Rationalisierung stark zu. Seit Ende der 50er Jahre stieg die Arbeitsbelastung
durch Lärm und Arbeitsverdichtung. In Gaggenau zum Beispiel gab es durchschnittlich fast zwei
Arbeitsunfälle am Tag. Dazu kam das ungeschützte Hantieren mit schädlichen oder giftigen Stoffen.
Und schon in den achtziger Jahren tauchten Berater von McKinsey auf mit dem Ziel, Kosten zu
senken und Effizienzen zu heben. "Ob höhere Entgelte, bessere Arbeitszeiten und -bedingungen,
Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie soziale Fortschritte - alles mussten die Beschäftigten
gemeinsam mit den Gewerkschaften über Jahrzehnte erkämpfen, mit dem Unternehmen aushandeln, betrieblich und tariflich verankern", sagt Michael Brecht, Mitglied der IG Metall und der
Großen Tarifkommission. Auch diese Errungenschaften seien Teil des Erfolgs von Daimler Truck und vielen Generationen von Beschäftigten.
Tarifverträge als Motor des Fortschritts
So wurden durch Tarifverträge wie dem Lohnrahmentarifvertrag II von 1973 unter dem Stichwort
"Humanisierung der Arbeitswelt" deutliche Verbesserungen erzielt. Der Arbeits- und
Gesundheitsschutz wurde über die Jahre maßgeblich vorangetrieben. Im Mai 2002 kam es nach
jahrzehntelangen Verhandlungen zu einer grundlegenden Einigung über die Einführung eines
Entgeltrahmenabkommens (ERA), wodurch Entgeltsysteme aus den 60er und 70er Jahren durch
moderne Arbeitsbewertung- und Eingruppierungsinstrumente abgelöst wurden. Und auch heute
nutzen Betriebsräte die Mitbestimmungsrechte, um mit dem Unternehmen permanent über Arbeits-
und Leistungsbedingungen zu diskutieren.
Was unsere Vorfahren und wir erreicht haben
Damals:
- 10-Stunden-Tag, 6-Tage-Woche, 60-Stunden-Woche
- Kein bezahlter Urlaub
- Kein Kündigungsschutz, keine Frist
- Kein Arbeits- und Gesundheitsschutz
Heute:
- 7-Stunden-Tag, 5-Tage-Woche, 35-Stunden-Woche
- 30 Tage bezahlter Urlaub
- ZuSi 2035 - Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2034
- Hoher Standard an Arbeitsschutz, präventiver Gesundheitsschutz und Gesundheitsprogramme, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
Damals wie heute: Solidarität als Schlüssel
Blickt man nochmals auf die 130 Jahre zurück, erlebten die Nutzfahrzeugaktivitäten praktisch von
Beginn an Höhen und Tiefen, mussten Kriege, Rückschläge und Nachfrageschwächen verkraften
und auf der anderen Seite schnell wachsende Nachfrage befriedigen sowie technologisch und
wirtschaftlich wettbewerbsfähig sein. Michael Brecht ist überzeugt: "Die Themen Konjunktur und
Transformation mit allen Folgen für die Kolleginnen und Kollegen begleiten uns seit 130 Jahren.
"Damals wie heute ist die standortübergreifende Solidarität und der Schulterschluss mit einer starken Gewerkschaft der Schlüssel für die Durchsetzung ihrer Interessen."
Letzte Änderung: 12.06.2026
